Glas kann grundsätzlich beliebig oft eingeschmolzen und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Da recyceltes Glas bei niedrigeren Temperaturen als die zur Glasherstellung erforderlichen Rohstoffe schmilzt, verringert sich je Prozent Scherbenzugabe der Energiebedarf um ca. 0,2 bis 0,3 Prozent. Altglasrecycling führt somit zu einer Reduzierung der mit dem Glasschmelzprozess verbundenen Umweltbelastungen (zum Beispiel CO2-Emissionen). Dennoch bleibt der Energieaufwand problematisch: Um die Schmelztemperatur von 1.500 °C zu erreichen, müssen für eine einzige Glasflasche von 600 Gramm rund 7.500 Kilojoule aufgewendet werden. Das entspricht einer Energiemenge mit der zwei Waschmaschinenladungen bei 60 °C gewaschen werden können.
Dieser hohe Energieaufwand relativiert sich deutlich, wenn Glasflaschen nicht nach einmaligem Gebrauch eingeschmolzen, sondern mehrfach genutzt werden. So erreichen Mehrwegflaschen an die 50 Umläufe bei einer Lebensdauer von bis zu sechs Jahren. Verteilt man nun den umweltbelastenden Energieaufwand auf die Anzahl der Befüllungen, gewinnt die Mehrweg-Glasflasche in der ökologischen Betrachtung deutlich gegenüber dem Recycling von Einwegflaschen. Daran ändert sich grundsätzlich auch nichts, wenn man den Leerguttransport und die Reinigung der Flaschen in die Ökobilanz einbezieht, wie eine Studie des Umweltbundesamtes festgestellt hat. Mit Einführung des Pflichtpfandes auf viele Einweg-Getränkeverpackungen ist es für den Verbraucher nicht einfacher geworden, umweltgerecht einzukaufen. Denn nun steht Pfand nicht mehr automatisch für umweltfreundliche Mehrwegsysteme.